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Vogel des Jahres 2007
Der Wendehals

Zeitungsartikel vom 28.12.2007

Wendehals, © Stefan Kohl
 
2007
 
           
2013 2014  

Der Schweizer Vogelschutz SVS hat den Wendehals zum Vogel des Jahres 2007 gekürt.
Der seltene Vogel ist eine Charakterart der Hochstamm-Obstgärten und passt gut zur SVS-Kampagne Biodiversität, die nun ins zweite Jahr geht.


Einst ertönten seine nasalen Rufreihen überall im Lande aus Hochstamm-Obstgärten, lichten Wäldern, Auenwäldern, Rebbergen, Parkanlagen und Feldgehölzen, von den Niederungen bis hinauf gegen die Waldgrenze. Heute kann man nur noch an wenigen Orten regelmässig die specht-artigen Lautäusserungen des Wendehalses vernehmen. Die Bestände des Wendehalses sind infolge der Zerstörung seiner Lebensräume durch Überbauung, Ausräumung der Landschaften und Intensivierung der Landwirtschaft grossflächig zusammengebrochen. Als auf bodenbewohnende Ameisen und deren Larven spezialisierter Specht ist diese Vogelart auf lückige Vegetation in extensiv bewirtschafteten Flächen angewiesen.

Immer häufiger: Jynx politica
Jynx politica der Wendehals in der Politik ist heute häufiger als Jynx torquilla, der rindenbraune Vogel. Nicht nur das: Dass es dem gefiederten Wendehals schlecht geht, ist auch eine Folge unserer Politik zum Beispiel in den Bereichen Raumplanung und Landwirtschaft. Daher steht der Wendehals auch als Symbol für das zweite Jahr der SVS-Kampagne «Biodiversität Vielfalt ist Reichtum». In diesem Jahr zielt der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz darauf ab, zusammen mit den Sektionen, Kantonalverbänden und Landesorganisationen Politiker landauf und landab für die Natur zu sensibilisieren und sie für deren Erhaltung und Förderung zu motivieren. Und damit die Weichen zu stellen, dass auch der Vogel des Jahres wieder häufiger wird.


©Eduard Germann

Steckbrief Wendehals (Jynx torquilla) Text SVS

© E. Lüscher

Systematik

Ordnung Spechtvögel (Piciformes)
Familie Spechte (Picidae)
Art Wendehals (Jynx torquilla)

Kennzeichen

Gut kleibergross, aber schlank mit länglichem Schwanz, Gefieder rindenfarbig, kurzer Schnabel. Deutliche geografische Variation. Männchen und Weibchen gleich. Jugendkleid: mehr schmutzig-graubraune Oberseite, Muster weniger kontrastreich.

Verbreitung

Europa und Asien. Nach Osten bis Sachalin, Hokkaido, Nordost-Korea, Zentralchina. In Mitteleuropa meist unter 500 Metern, in den Alpen an günstigen Stellen aber bis 1600 m.

Bestand

Im Vergleich zu den Siebzigerjahren fehlt der Wendehals heute in weiten Teilen des Mittellandes, während sich sein Verbreitungsgebiet in den Alpen und auf der Alpensüdseite nur wenig verändert hat. Bestand 1993-1996 in der Schweiz: 2000 bis 3000 Brutpaare. Im Vergleich zur Zählung von 1972-1976 wurde er 1993-1996 in 68 Atlasquadraten nicht mehr gefunden (Rückgang -22,2%).
Ursachen des starken Rückgangs: Rückgang der Obstgärten und Naturwiesen, Klimaschwankungen, Biozide, evtl. Probleme auf dem Zug und im Winterquartier.

Wanderungen

Zugvogel. Regelmässiger Durchzügler in der ganzen Schweiz, Nachtzieher. Der Herbstzug beginnt in der zweiten Augusthälfte und ist Anfang Oktober abgeschlossen. Im Frühling werden Wendehälse erst ab Anfang April regelmässig beobachtet, ab Mitte Mai ist der Zug abgeschlossen. Die Winterquartiere liegen in der Savannen- und Trockenzone West- und Zentralafrikas.

Biotop

Brutgebiete teils bewaldete bis locker mit Bäumen bestandene Landschaften, die Freiflächen zur Nahrungssuche am Boden und Rufwarten sowie Deckung und Nistplätze bieten. Für die Nahrungssuche (Ameisen) ist es besonders wichtig, dass die Krautschicht nicht zu dick und zu hoch ist. Lebensräume, die diesen Ansprüchen entsprechen können: Feldgehölze, Alleen, Parks, Obstgärten, lichte Auenwälder, Ufer und Feuchtgebiete mit Bäumen, Lichtungen und Waldränder.

Nahrung

Insekten. Zur Brutzeit vor allem Ameisen (Larven, Puppen, weniger Imagines).

Stimme

Nur zur Fortpflanzungszeit ruffreudig. Gesang leicht ansteigende Serie von "Wied-" oder "wäd"-Lauten, etwas in Spechtmanier. Kontaktlaute leise knurrend, Warnrufe laute an- und absteigende Serie von "Teck"- oder "töpp"-Silben.

Fortpflanzung

Geschlechtsreife im 1. Lebensjahr. Monogame Saisonehe, verteidigt Brutrevier. Nest in Spechthöhlen und anderen Baumhöhlen oder Nistkästen. Es wird kein Nest gebaut, aber alte Nester werden manchmal übernommen. Gelege: 7 bis 12 Eier, Zweitgelege kleiner und vor allem bei Verlust des Erstgeleges. Legebeginn in der zweiten Maihälfte. Brutdauer etwa 11 Tage, Huderzeit 5 Tage ohne Unterbrechung, Nestlingszeit 20 bis 22 Tage.

Alter

Bisher ältester bekannter Vogel: 10 Jahre


Quellen: "Kompendium der Vögel Mitteleuropas" (E. Bezzel), Schweizer Brutvogelatlas (Vogelwarte Sempach), Avifauna der Schweiz


© Rolf und Sales Nussbaumer